Zum Inhalt springen
Blog und Ratgeber
RATGEBER — TECHNIK

Wie windstabil ist ein Sonnensegel wirklich?

Windstärke ist keine Meinung, sondern eine Zahl. Wir zeigen, welche Werte für ein Sonnensegel gelten und woran Sie eine belastbare Konstruktion erkennen.

Lukas VolzTaunus Sonnensegel, Büro Oberursel (Taunus)24. August 20267 Minuten Lesezeit
Festes Sonnensegel über einer Eckterrasse, Masten pulverbeschichtet
AUSGEFAHREN BIS61,5 km/h
DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK

Kurz beantwortet

Ein Sonnensegel ist nicht schwächer als andere Beschattung. Es geht dem Sturm nur rechtzeitig aus dem Weg. Entscheidend sind die Konstruktion, die Fläche und eine klare Regel für den Ernstfall.

  • 01Zwei Zahlen werden ständig verwechselt. Die Tragkonstruktion wird auf die Windzone bemessen, in Hessen auf rund 90 km/h. Die Freigabe von 61,5 km/h sagt etwas ganz anderes: bis wann das Tuch ausgefahren bleiben darf.
  • 02Unser festes Segel FX ist bis 20 Quadratmeter für 61,5 km/h freigegeben. Das ist die obere Grenze von Windstärke 7 und liegt über dem, was die beste Markise darf.
  • 03Größere feste Segel liegen bei rund 49,6 km/h. Je größer die Fläche, desto niedriger die zulässige Windgeschwindigkeit.
  • 04Die tragende Rolle spielen die Masten. Wir arbeiten mit 86 oder 102 Millimetern Durchmesser, abgestimmt auf Fläche und Standort.
  • 05Elektrische Segel RE fahren über Wettersensoren selbstständig ein, bevor es kritisch wird. Das ist der wirksamste Windschutz überhaupt.
  • 06Ein aufgerolltes oder abgenommenes Segel hat keine Angriffsfläche. Die Masten bleiben stehen, weil sie genau dafür gerechnet sind.
  • 07Leinen und Beschläge sind Verschleißteile. Leinen gehören alle drei bis sechs Jahre getauscht, sonst sinkt die Belastbarkeit unbemerkt.
DIE MECHANIK

Wind drückt nicht nur. Er zieht.

Ein Sonnensegel ist eine Membran. Strömt Luft darüber hinweg, entsteht auf der Oberseite ein Unterdruck, während die Unterseite Druck aufnimmt. Beide Kräfte wirken gleichzeitig, und beide landen an denselben Punkten: an den Ecken.

Von dort geht die Last weiter in die Masten und von den Masten in das Fundament. Die Membran selbst ist selten das schwache Glied. Was nachgibt, sind ungeeignete Befestigungspunkte, unterdimensionierte Masten oder ein Fundament, das für die Fläche zu klein geraten ist.

Deshalb hängt die Windstabilität nie am Tuch allein. Sie ist das Ergebnis der gesamten Konstruktion, und sie sinkt mit jedem zusätzlichen Quadratmeter Fläche. Ein kleines Segel hält mehr Wind aus als ein großes, weil weniger Angriffsfläche weniger Kraft bedeutet.

Genau hier entsteht das größte Missverständnis. Wer hört, dass ein Segel bis 61,5 km/h freigegeben ist, denkt an eine Belastungsgrenze. Gemeint ist aber etwas anderes: der Punkt, ab dem das Tuch aus dem Wind geht. Die Konstruktion bleibt stehen.

INTERAKTIV

Was passiert bei welcher Windgeschwindigkeit?

Ziehen Sie den Regler auf eine Windgeschwindigkeit. Der Regler zeigt, ab wann das Tuch aus dem Wind gehört. Über die Belastbarkeit der Konstruktion sagt er nichts, die liegt deutlich höher. Einordnung nach der Beaufort-Skala des Deutschen Wetterdienstes.

45 km/h
Windstärke 6 BftStarker Wind
Tuch darf ausgefahren bleiben
49,6 km/hgroße feste Segel
61,5 km/hSegel FX bis 20 m²
0 km/h60 km/h120 km/h

Dicke Äste bewegen sich, in Leitungen pfeift es hörbar. Große feste Segel erreichen hier ihre Freigabegrenze von rund 49,6 km/h.

Segel RE, elektrisch

Der Windsensor greift in diesem Bereich ein und fährt selbstständig ein, ohne dass Sie zu Hause sein müssen.

Segel RM, manuell

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, von Hand einzurollen.

Segel FX, fest

Segel bis 20 Quadratmeter bleiben innerhalb der Freigabe von 61,5 km/h. Größere Varianten erreichen bei rund 49,6 km/h ihre Grenze.

Einordnung nach der Beaufort-Skala des Deutschen Wetterdienstes, bezogen auf zehn Meter Höhe über offenem Gelände. Die Freigabewerte stammen aus unseren eigenen Produktunterlagen zum Segel FX.

Die Windstärken im Überblick

Die Zeile zu Ihrer eingestellten Windgeschwindigkeit ist hervorgehoben. Ein Klick auf eine Zeile setzt den Regler dorthin.

WindstärkeBezeichnungGeschwindigkeitWoran Sie es erkennen
0 BftWindstilleunter 1 km/hDer Rauch steigt senkrecht auf. Das Segel hängt vollkommen ruhig.
1 BftLeiser Zug1 bis 5 km/hKaum spürbar. Am Segel passiert nichts.
2 BftLeichte Brise6 bis 11 km/hBlätter rascheln. Ein gespanntes Segel bleibt vollkommen ruhig.
3 BftSchwache Brise12 bis 19 km/hDünne Zweige bewegen sich. Angenehmes Terrassenwetter.
4 BftMäßige Brise20 bis 28 km/hStaub und loses Papier werden angehoben. Ein sauber gespanntes Segel steht weiterhin still.
5 BftFrische Brise29 bis 38 km/hKleine Laubbäume beginnen zu schwanken. Ein locker gespanntes Segel fängt jetzt an zu arbeiten.
6 BftStarker Wind39 bis 49 km/hDicke Äste bewegen sich, in Leitungen pfeift es hörbar. Große feste Segel erreichen hier ihre Freigabegrenze von rund 49,6 km/h.
7 BftSteifer Wind50 bis 61 km/hGanze Bäume bewegen sich, das Gehen gegen den Wind wird spürbar schwerer. Bis 61,5 km/h ist ein festes Segel bis 20 Quadratmeter freigegeben. Danach ist Schluss.
8 BftStürmischer Wind62 bis 74 km/hZweige brechen von Bäumen. Kein Tuch bleibt jetzt draußen, weder Segel noch Markise. Die Konstruktion steht ohne Angriffsfläche weiter.
9 BftSturm75 bis 88 km/hKleinere Schäden an Häusern, Dachziegel lösen sich. Kein Sonnenschutz bleibt draußen. Die Statik ist auf diesen Bereich ausgelegt, das Tuch nicht.
IN DER PRAXIS

Sechs Punkte, die über die Windstabilität entscheiden

Wer diese sechs Punkte klärt, bekommt ein Segel, das auch bei Wetterwechsel hängen bleiben darf. Klicken Sie einen Punkt an, dann sehen Sie, worauf es konkret ankommt.

Was das konkret heißt
Konkret: Bis 20 Quadratmeter sind 61,5 km/h freigegeben, darüber sinkt der Wert auf rund 49,6 km/h. Wer die Fläche ausreizt, gibt bei der Windgrenze nach. Das ist keine Schwäche der Konstruktion, sondern Physik: doppelte Fläche bedeutet doppelte Kraft an denselben Punkten.
Was das konkret heißt
Welcher Durchmesser gebraucht wird, ergibt sich aus Fläche, Spannweite und Standort. Ein zu schlanker Mast biegt sich unter Last, und diese Biegung nimmt die Spannung aus dem Tuch. Danach flattert das Segel, obwohl es beim Aufbau straff war.
Was das konkret heißt
Der Mast leitet Zug und Kippmoment ins Fundament. Entscheidend sind Tiefe, Grundfläche und der Untergrund. Sandiger Boden verlangt mehr als gewachsener Lehm. Deshalb prüfen wir den Untergrund vor Ort und nicht am Schreibtisch.
Was das konkret heißt
Ein schlagendes Tuch erzeugt kurze, harte Lastspitzen an den Ecken. Diese Spitzen sind deutlich höher als der gleichmäßige Zug bei gleicher Windgeschwindigkeit. Nachspannen ist deshalb keine Kosmetik, sondern Wartung.
Was das konkret heißt
UV-Strahlung baut die Fasern von innen ab. Eine Leine kann tadellos aussehen und trotzdem nur noch einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Bruchlast haben. Deshalb wird nach Zeit getauscht und nicht nach Aussehen.
Was das konkret heißt
Legen Sie einen Wert fest, ab dem eingerollt oder abgenommen wird, und hängen Sie ihn nicht vom Zufall ab. Ab Windstärke 8, also etwa 62 km/h, liegt jedes System jenseits seiner Freigabe. Feste Segel gehören über den Winter ohnehin ausgehängt.
HÄUFIGE FRAGEN

Wind und Sonnensegel

Die Angaben zu Genehmigungen sind eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Verbindlich ist die Auskunft Ihrer zuständigen Bauaufsicht.

Unser festes Segel FX ist bis zu einer Fläche von 20 Quadratmetern für Windgeschwindigkeiten bis 61,5 km/h freigegeben. Größere Varianten liegen bei rund 49,6 km/h. Die Grenze sinkt also mit wachsender Fläche, weil mehr Fläche mehr Kraft in die Konstruktion leitet. Wichtig: Diese Werte sagen, bis wann das Tuch ausgefahren bleiben darf. Sie sind keine Bruchlast der Konstruktion.
Ja, weil beide Zahlen verschiedene Dinge beschreiben. Die rund 90 km/h sind der Wert, auf den die Tragkonstruktion nach der Windzone bemessen wird, also Masten, Beschläge und Fundament. Die 61,5 km/h sagen, bis wann das Tuch ausgefahren bleiben darf. Bei mehr Wind wird eingerollt oder ausgehängt, und die Konstruktion steht ohne Angriffsfläche im Sturm. Genauso funktioniert jede Markise, nur mit niedrigeren Werten.
Ja. Ab Windstärke 8, also etwa 62 km/h, liegt jedes System jenseits seiner Freigabe. Elektrische Segel RE erledigen das über Wettersensoren selbstständig. Bei manuellen Segeln rollen Sie von Hand ein, feste Segel werden ausgehängt.
Wir empfehlen, feste Sonnensegel über die Wintermonate abzunehmen. Schnee legt eine Last auf die Fläche, die im Sommer nie auftritt, und Winterstürme sind häufiger. Dank der Beschläge lässt sich das Segel mit wenigen Handgriffen aushängen und geschützt einlagern.
Der Windsensor misst dauerhaft und fährt das Segel ein, sobald der eingestellte Grenzwert erreicht ist. Der entscheidende Vorteil liegt in der Abwesenheit: Die Automatik greift auch dann, wenn niemand zu Hause ist. Genau in diesen Situationen entstehen die meisten Schäden.
Wenn die Fläche bei mäßiger Brise sichtbar schlägt oder ein Geräusch entsteht, ist die Spannung zu gering. Flattern ist kein Schönheitsproblem, sondern Materialermüdung in Zeitlupe. Nachspannen gehört zur normalen Pflege.
Die Segeltuch-Membran hält bei fachgerechter Nutzung bis zu 20 Jahre, ein Tausch nach zehn bis fünfzehn Jahren ist eine realistische Planungsgröße. Leinen altern schneller und gehören alle drei bis sechs Jahre erneuert.
Das hängt vom Bundesland, von der Größe und von der Art der Befestigung ab. Kleinere, rückbaubare Anlagen sind häufig verfahrensfrei, größere feste Konstruktionen mit Fundament nicht immer. Fragen Sie vor der Planung bei Ihrer Bauaufsicht nach, das kostet nichts und spart später Ärger.
Lukas Volz, Taunus Sonnensegel
ÜBER DEN AUTOR

Lukas Volz

Taunus Sonnensegel, Büro Oberursel (Taunus)

Ich bin unter Sonnensegeln aufgewachsen. Was mich bis heute beschäftigt, ist die Frage, warum manche Konstruktionen nach fünfzehn Jahren noch stehen und andere nach dem zweiten Herbst hängen.

Die Antwort liegt fast nie im Tuch. Sie liegt in der Statik dahinter. Deshalb messe ich vor jedem Projekt die Lage vor Ort, bevor über Farben und Formen gesprochen wird.

Schwerpunkt
Maßgefertigte Sonnensegel, Planung und Statik
Einsatzgebiet
Taunus und Rhein-Main-Gebiet
Herkunft der Technik
Segel- und Yachtsport
Unsere Geschichte lesen
IHR PROJEKT

Anfrage senden

Vier kurze Schritte, keine zwei Minuten. Danach wissen wir genug, um Ihnen eine belastbare erste Einschätzung zu geben.

Büro
Wallstraße 25 61440 Oberursel (Taunus)
Schritt 1 von 4

Was soll beschattet werden?

Wählen Sie den Bereich, der künftig im Schatten liegen soll.

Wie groß soll die Schattenfläche sein?

Eine Schätzung genügt völlig. Das genaue Maß nehmen wir beim Aufmaß vor Ort.

Breite6 m
Länge4 m
Ergibt rund24

Wo wird der Schatten benötigt?

Die Postleitzahl genügt uns für die erste Einschätzung.

Wie erreichen wir Sie?

Wir melden uns persönlich zurück, in aller Regel innerhalb eines Werktages.

Fotos vom Ort, freiwillig

Ein bis drei Bilder der Stelle, an der das Segel entstehen soll, helfen uns mehr als jede Beschreibung.